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Preek van Hans van de Wal in Gera op dinsdag 31 oktober 2017

Een belangrijke reden voor het bezoek aan de partnergemeente Gera was de gezamenlijke viering van 500 jaar Reformatie. Deelname aan de kerkdienst in de Salvatorkerk op 31 oktober was derhalve een van de hoogtepunten van de ontmoeting Arnhem-Gera. Aan deze feestelijke dienst verleenden behalve een koperblazersensemble, drie toneelspelers van het theater van Gera hun medewerking met enkele scenes uit een toneelstuk (Unduldsame Gespräche) over Luther en diens betekenis in de Duitse geschiedenis. Dit toneelstuk was de avond tevoren in dezelfde Salvatorkerk in première gegaan. De bijbelgedeelten (Romeinen 3 en Mt. 5) werden door gemeenteleden uit Arnhem en Gera elk in eigen taal gelezen. De predikanten Frank Hiddemann (Gera) en Hans van de Wal (Arnhem) reageerden elk in een korte preek op de betreffende scenes. Hieronder volgt (een deel van) de preek van Hans van de Wal.

Reformationsgottesdienst Gera/Salvatorkirche Unduldsame Gespräche Lesungen: Psalm: 46; Evangelium: Mt 5, 1-10; Epistel: Roem 3, 21-28, der Predigttext fuer das Jahr 2017: Mt 10, 26b-33.

Liebe Gemeinde, Auch in den Niederlanden steht Luther in hoher Verehrung, obwohl bekanntlich die Protestanten in unserem Land überwiegend reformiert sind. Immerhin waren aber die ersten Märtyrer der lutherischen Reformation zwei niederländische bzw flämische Mönche: Hendrik Voes und Jan van Essen im Jahr 1523. Genau wie in Deutschland wird auch in den Niederlanden 500 Jahre Reformation gefeiert, obwohl Reformationstag bei uns kein Feiertag ist. Und die heutige Protestantische Kirche in den Niederlanden ist seit mehr als 10 Jahren zusamengesetzt aus Reformierten und Lutheranern – wie die Evangelische Kirche Deutschland. Ich selber stamme aus der reformierten Tradition innerhalb der Protestantischen Kirche.

Im Abschnitt der Unduldsamen Gespräche, den wir eben hörten kommen berühmte Figuren aus der deutschen Geistesgeschichte über Luther und seine Bedeutung zu Wort. Insbesondere zwei Aussagen sind mir aufgefallen. Thomas zitierte Goethe, der gesagt haben soll, dass wir durch Luther ‘freigeworden (sind) von den Fesseln geistiger Borniertheit’. Und Ines betonte einen Spruch von Karl Marx, Luther habe ‘den Glauben an die Autorität gebrochen, weil er die Autorität des Glaubens restauriert hat. Er habe, ich zitiere, ‘den Leib von der Kette emanzipiert, weil er das Herz in Ketten gelegt.’ Dass Luther uns von geistiger Borniertheit befreit hat, hören wir natürlich gern. Restaurierung der Autorität des Glaubens, ja das hören wir auch gern. Aber dass Luther das Herz in Ketten gelegt haben soll, das klingt eben nicht sehr positiv, wo wir Christen doch gerne betonen, dass der Glaube frei macht. Was ist denn nun wahr? Es kann ja nicht das Eine wahr sein und das Andere auch. Entweder der Glaube macht frei oder nicht.

Aber die Frage ist, ob tatsächlich das Gleiche gemeint wird. Luther hat anhand von Paulus wieder entdeckt, was wesentlich für den Glauben ist: nämlich, dass wir Gottes Liebe nicht verdienen und auch nicht verdienen können. Wir haben es uns eben wieder mal sagen lassen in der Lesung aus Römer 3. Gottes Liebe ist einfach da, umsonst, aus Gnade. Sie gilt in und durch Christus jedem, und zwar direkt. Ausser Christus gibt es keine Vermittlung. Jeder Einzelne steht direkt vor Gott und wird von Ihm geliebt. Luther hat sozusagen die Tür zum Herzen Gottes wieder auf gestossen. Unser Herz ist gefesselt, ja sicher. Aber nicht von Luther, sondern von Gott selber. Und eben das bedeutet, dass wir frei gemacht worden sind für Gott und die Menschen. Das muss erstmal gesagt werden.

Aber Luthers Entdeckung fand nicht im Vakuum statt. Und da hat Marx uns etwas zu sagen. Ich bin kein Marxkenner, weiss aber eins: seine Philosophie ist im Wesentlichen Gesellschaftskritik. Marx hat uns gelehrt, Behauptungen nicht einfach hinzunehmen, sondern zu hinterfragen. Was steckt dahinter? Wessem Interesse wird dadurch gedient? Wer profitiert von Aussagen und Sachverhalten? Ich bin fest der Überzeugung, dass diese Frage berechtigt ist. Und ja, man kann da nicht umhin: Luther hat die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit nicht nur hingenommen, sondern auch bestätigt. Er konnte wohl auch kaum anders, sonst hätte die Reformation keine Chance gehabt. Er steht da im Umbruch der Zeiten in der deutschen, ja europäischen Geschichte, als einer, der den Umbruch mitgestaltet hat, aber eben auch ein Kind seiner Zeit war. Er hat sich abgefunden, abfinden müssen, mit dem Spruch ‘cuius regio, eius religio’: wessen Region dessen Religion: abfinden müssen also auch mit den Herrschaftsverhältnissen seiner Zeit.

War das in den Niederlanden anders? Zum Teil: ja. In den Niederlanden bildete die Reformation bekanntlich das Rückgrat eines Aufstandes gegen den katholischen Fürsten, der eben die absolute Herrschaft wollte. Dabei haben mit Hilfe eines deutschen Fürsten, Willem von Oranje aus Nassau, die Reformierten sich nach 80-jährigem Krieg durchsetzen können. Daran hat Calvin einen Anteil gehabt. Er hat ausdrücklich das Recht zum Aufstand gegen den Herrscher theologisch legitimiert: man soll Gott mehr gehorchen als dem Herrscher. Falls die Obrigkeit die Freiheit zum rechten Glauben nicht gewähre, soll man sich dagegen wehren. Die Obrigkeit, ob Fürst oder demokratische Regierung, ist nach Calvinschem Denken Diener Gottes, und die Kirche soll die Obrigkeit immer daran erinnern.

Hat die Christenheit in den Niederlanden diese Aufgabe auch wirklich erfüllt? Hat sie es z.B. gewagt, die Obrigkeit zur Verantwortung zu rufen als sie Unrecht zugelassen hat oder sogar selber ungerecht war wie in der Nazizeit oder im Abschied der Kolonie? Leider: nur selten. Schon dadurch, dass die Kirche immer auch ein Teil der Gesellschaft ist, gesellschaftlich anerkannt ist, ist sie ja auch gebunden, hat sie sich binden lassen. Das war in den Niederlanden nicht anders als sonst irgendwo. Immer sind es einzelne Personen, entschlossene Gruppen, die es schaffen, sich einzusetzen für Freiheit und Menschlichkeit, wenn es darauf ankommt. Es gibt Gott sei Dank ermutigende Beispiele. Ich denke an die Bekennende Kirche in Deutschland nach 1933 und ihre Märtyrer. Ich denke an die niederländische Friedensbewegung in den achziger Jahren, die von Christen geprägt war. Ich denke an die Bewegung ‘Schwerter zu Pflugscharen’, die in der DDR entstanden ist und insbesondere, was am 9. Oktober 1989 von der Nikolaikirche in Leipzig aus angefangen hat, als immer mehr Menschen öffentlich beteten für Frieden und mit Kerzen auf die Strassen gingen.

Letztendlich verdanken wir das doch dem grossen Reformator Martin Luther, dessen Entdeckung vor 500 Jahre wir in diesem Jahr feiern, und der es gewagt hat, sich der damaligen Allmacht der Kirche entgegen zu setzen. Liebe macht frei. Gottes Liebe macht frei. Lebend aus der Gnade Gottes sind wir frei, leben wir in der Freiheit eines Christenmenschen, wie es Luther betont hat. Gott sei Dank, dass es Luther gegeben hat. Gebe es Gott, dass auch wir es wagen, zu rechter Zeit uns zu dieser Freiheit zu bekennen, in unserem persönlichen Leben wie in unserem gesellschaftlichen Leben. Amen.

Fürbitte.
Wir danken Dir dass Du uns als deine Kinder annimmst und uns in der Freiheit dieser Kindschaft gestellt hast. In dieser Freiheit als deine Kinder können wir unsere Loyalität auch unserer Obrigkeit erweisen, die ja dazu da ist um das Böse zu binden auf dasz wir Menschen in Freiheit leben können, nicht den Wölfen überliefert. In dieser Freiheit schenkst Du uns auch den Mut unserer Obrigkeit kritisch gegenüber zu treten wenn etwas nicht stimmt. Und da wollen wir Dir danken für die demokratischen Staatsstruktur in der wir in unseren Ländern leben dürfen. Segne und behüte unsere Regierungen und alle die darin Verantwortung tragen.

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